Aktuelle Hinweise  

Aktuelle Trainingsaktivitäten:

Rennrad: bei gutem Wetter dienstags und donnertags 14 Uhr am Bahnhof

samstags 13 Uhr bei "Lebus" /Reh oder nach Absprache

MTB-Ausfahrt mittwochs 18.30 und samstags 14 Uhr

Hallentraining montags 18.30 - Adler-Halle

Wichtige Termine:

Samstag, 16.12.17 Wanderung ab Adler zum Weihnachtsmarkt Letmathe

Sonntag, 31.12.17 Silvestertour zum Mesekendahl - 13 Uhr ab Adler  

Weitere Termine - siehe Hauptmenü "Termine 2017"!

 

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Christalp 2012

  Text und Fotos Klaus Jörges u. Sportograf

 
 

Grand Raid Christalp 2012 - Helden am Samstag

Der bekannte Radsportjournalist Henri Lesewitz hat in seinem Buch
- Held am Sonntag -
über die Freuden und Leiden und über das Scheitern bei der Grand Raid Christalp geschrieben.
 
Dem ältesten und immer noch härtesten aller Mountainbike-Marathonrennen.
5025 Höhenmeter und 125 km  teilweise im hochalpinen Gelände.
Fachmagazine veröffentlichen Fotos von halbtoten Menschen, von Männern, die im Ziel heulen. 
 
Von einem Gipfel, auf den Fahrer auf allen Vieren krabbeln.
Blut, Schweiß, Tränen sagt man der Christalp nach.
 
Die ATS-Nahmer Radsportler 
Peter Brükkenkamp, Erhard Becker und Klaus Jörges 
wagten das Abenteuer, diesmal an einem Samstag, den 18.08.2012.
 
Der Extrem- Radsportler und erfolgreiche Marathonläufer Peter Brükkenkamp,
konnte die Strecke in der hervorragenden Zeit von 09:50:25 h absolvieren.
03:37:22 h nach dem Sieger Alexandre Moos.
 
Auch Peter litt bei der letzten Schiebepassage 
und war am Ende froh das Rennen erfolgreich absolviert zu haben.
Ein Strich mehr auf seiner langen Liste mit herausragenden Ausdauersportleistungen. 
 
Erhard Becker, in den letzten Jahren immer erfolgreich in der NRW - Marathon - Trophy
hatte einen schlechten Tag erwischt und musste nach ca. 90 km und ca. 3600 hm 
das Rennen erschöpft mit Krämpfen aufgeben. 
Als Trost konnte er aber in einem Bergrestaurant beim verdienten kühlen Blonden
die traumhafte Waliser Bergwelt mit Gletschern und
mit 4000er Bergen wie dem Matterhorn in Ruhe geniessen.  
 
Klaus Jörges - mit geringer Chance das Rennen innerhalb der Karenzzeit zu bewältigen,
schaffte es tatsächlich am Ende erfolgreich in 12:44:59 h. 

 

Nachfolgend schildert er sein Erlebnis: An Tagen wie diesen .....
(Nicht die Startaufstellung! Anm. der Red.)

 

Morgens um 6 Uhr Startaufstellung.
700 Biker und 17 Bikerinnen aus 23 Nationen warten ungeduldig auf den Startschuss.
Die meisten Biker sehen aus wie Sportmaschinen.
Extrem durchtrainiert und mit  mehr als 10000 Jahreskilometern in den Beinen. 
Die Herren tragen nicht wie im Vorjahr Sportstützstrümpfe für die bessere Durchblutung,
sondern die Beine sind mit bunten Tapes beklebt, wie bei den Läufern der letzten Olympiade.
Das mit den Stützstrümpfen hat wohl nichts gebracht.
Manch einer traut sich sogar wieder Pelz (unrasierte Beine) zu tragen.
Das freut mich als Hobbysportler. Trotzdem habe ich auch ca. 2800 km in diesem Jahr auf dem Rad trainiert. 
Viel zu wenig.
Na gut, so kann ich mit meinem Rettungsring wenigstens nicht bei den Bachdurchfahrten ertrinken.   
Nach dem Startschuss geht es den ersten Anstieg rauf. Bloß nicht den Anschluss an Erhard und Peter verlieren.
Plötzlich ein lauter Knall. Einem Biker ist der Reifen explodiert. Aus und vorbei nach 250 Metern.
Letzter kann ich schon nicht mehr werden. Peter zieht an. Erhard zögert erst,
aber nach kurzem einrollen tritt auch er an und ich kann die beiden trotz Pulsschlag 180 nicht halten.
Schnell sind sie aus meinem Blickfeld entschwunden.
In der ersten Abfahrt will ich alles riskieren um wieder aufzuholen.
Leider reißt schon nach der ersten Bremsung eine Speiche.
Ich muss anhalten um die Speiche um eine andere zu wickeln. Die Aufholjagd ist damit beendet.
Jetzt zählt nur noch das Zeitlimit.
Die Veranstalter haben an verschiedenen Zeitmesspunkten Karenzzeiten eingerichtet,
damit Fahrer zu ihrem eigenen Schutz aus dem Rennen genommen werden.
Man kann nicht vollkommen erschöpfte Fahrer noch nachts auf 2800 hm durch die Wildnis fahren lassen.    
Vor mir stürzt ein Biker bergab bei Höchsttempo, 
fliegt eine Rampe hinunter und überschlägt sich mindestens 6 mal.
Sofort halten ein Schweizer Biker und ich an.
Der gestürzte Fahrer ist im Gesicht blutüberströmt und liegt stöhnend im Schotter.
Der Schweizer klettert zu dem Verunglückten. Ich fahre zurück zur Verpflegungsstation und hole Hilfe.
So vergehen einige Minuten die mir am Ende fehlen. 
Hier zu helfen war aber selbstverständlich.         
Nach ca. 70 km fühle ich mich noch wohl und liege gut in der Zeit.
Aber ich weiß, dass die Christalp am Ende die Fahrer auswringt wie ein Schwamm.
Jeder fehlende Trainingskilometer rächt sich. Nun geht es auf den 2030 Meter hohen Mandelon.
Die 5 km Auffahrt bewältige ich bei 35 Grad und die ersten Schwächeanzeichen mehren sich.
Hin und wieder halte ich an und stecke meinen Kopf samt Helm einfach in einen der Holzwasserbehälter,
die sonst als Viehtränken dienen.
Das erfrischt und weiter geht es.
Nach einer Verpflegungsstation kommen oben auf dem Hochplateau des Mandelon
extrem schwierige Singletrails. Man muss in dem verblockten Gelände immer wieder absteigen.
Jedes Mal, wenn ich absteige, bekomme ich einen Krampf im hinteren Oberschenkel.
So entschließe ich mich die schweren Passagen doch zu fahren.
Gesagt, getan und danach gleich einen Salto über den Lenker gemacht.
Also doch lieber weiter radeln, 
anhalten, Krampf wegschütteln, schieben, aufsteigen, Krampf wegschütteln, weiterfahren usw.   
Irgendwann kommt die nächste Abfahrt.
In den teilweise schwierigen Abfahrten bleibt keine Zeit sich auszuruhen, man muss hoch konzentriert bleiben.
Die Arme fallen vor lauter Schüttelei fast vom Lenker. 
Ich bin ein hervorragender Downhiller und konnte deshalb mit meinem Hardtail
(nur vorne gefedertes Rad) im ganzen Rennen bergab immer verloren gegangene Zeit gutmachen. 
Im ganzen Rennen hat mich bergab lediglich ein junger Heißsporn auf seinem Fully überholt.  
Um 13 Uhr 25 komme ich an der ersten kritischen Zeitkontrolle in Evolene vorbei.
Der Mann mit dem Hammer verfolgt mich schon im Schatten. Den ganzen Tag Isoplörre.
Das kann mein Magen nicht. Direkt nach dem Verpflegungsstand muss ich mich übergeben.  
Auf geht es nach Eison.
Hier wurden Erhard und ich im letzten Jahr ungerechtfertigt von einem Streckenposten aus dem Rennen genommen.   
Eison liegt noch 200 hm über mir. 
Ich bin 20 Minuten vor der Zeitkarrenz. Auf einmal wieder der Krampf im hinteren linken Oberschenkel.
Diesmal geht er nicht weg.
Verzweiflung steht in meinem Gesicht. Wieder nicht geschafft. Nein - nicht mit mir!
Irgendwie quäle ich mich wieder auf den Sattel. Jetzt trete ich an.
Entweder reißt der Muskel oder der Krampf ist weg. Glück gehabt.  Aufgeben ist heute nicht mein Ding.       
Um 14 Uhr 50 erreiche ich 10 Minuten vor Zeitlimit die Verpflegungsstation in Eison. 
Was soll jetzt noch passieren.
Ich habe 1:40 h Zeit die nächsten 10 km nach L`A Vieille auf 2360 hm zu erreichen.
Die Hitze knallt. Anfangs ein schmaler Singletrail. Danach ein steiler Schotterweg.
Der Tacho zeigt 3 km/h. Noch 5 km. Die Zeit läuft mir weg.
Ein Schweizer lässt sich ins Gras fallen. Ich rufe: "Come on" Er antwortet, auf deutsch. "Es ist vorbei.
Wir müssen bis 16 Uhr in L`A Vieille sein."
Als ich ihm sage, dass der Sprecher heute früh doch gesagt hat,
dass wegen des guten Wetters und der zu erwartenden Hitze die Zeitkarrenz auf 16Uhr30 verschoben wurde,
springt er auf und will mich fast abknutschen.
Weiter geht's.
Ich muss mich wieder zweimal übergeben. Weniger wegen der Überanstrengung,
sondern weil mein Magen einfach keinen Energieriegel mehr vertragen kann.  
Unter einem Kiefernbaum liegt ein Biker, zittert am ganzen Körper. Auch er muss sich übergeben.
Ich rufe ihm zu: "Come on, kick yourself in your ass. Only 20 minutes to L´A Vieille."
Er stammelt irgendwelche unverständlichen Laute, die ich nicht verstehen kann.
Dann dreht er sich um und zeigt auf den mehrsprachigen Aufdruck auf seinem Trikot: Achtung - ich bin gehörlos.
Auch er rafft sich wieder auf und fährt weiter.  
Mein Wasser ist aufgebraucht. Ich muss meine Wasserflasche im Bach füllen.
Nun scheint es festzustehen. Ich werde scheitern. Noch ca. 3 km, aber mit extremer Steigung.
Rechnerisch ist das nicht mehr möglich in 15 Minuten an der Verpflegungsstation zu sein.
Ein letzter Versuch stehend im Wiegetritt. Auf einmal wie ein Wunder. Meine Beine haben Flügel.
Irgendwie habe ich im Geiste den Eindruck, dass meine ganze Familie mich den Berg hinaufschiebt.
Sogar mein schwerkranker Vater und meine 8-jährige Tochter "helfen" mir.
Meine Freunde,
die mir von dieser Tortour abgeraten hatten und vorher nur eine reale Chance von einem Prozent gegeben haben,
stehen plötzlich im Geiste am Streckenrand und rufen wie es die freundlichen Schweizer Zuschauer
während des ganzen Tages gerufen haben.   "Aléz, Courage, super, bravo."    
Ich erreiche glücklich 4 Minuten vor Zeitlimit die Verpflegungsstelle.
Wir sind eine Truppe von ca.10 Leuten, die am Ende knapp vor dem letzten Zeitlimit so eben rüber gekommen sind. 
Wir liegen uns in den Armen. Detlev aus dem Weserbergland ruft. "Ich liebe alle Schweizer." 
Er wollte vorher gerade seine Frau anrufen, um ihr mitzuteilen, dass er gescheitert sei.
Da hatte ihm der Schweizer, den ich vorher aus dem Gras geholt hatte mitgeteilt,
dass die Karenzzeit um eine halbe Stunde verlängert sei.  
Die Streckenposten treiben zur Weiterfahrt. Wir sollten mal nach dort oben hinschauen. Der Schock.
Die Wand zum Pas de Lona.
Da müssen wir noch rüber.  
Knapp  500 Höhenmeter Schiebe- und Tragepassage. Da fährt keiner hoch. Auf geht's.
Ein Engländer sagt mir, dass das wohl noch ein langer Abend werden wird.
Ich antworte: "What a beautifull day!" 15 Meter weiter muss ich mich das 4. mal übergeben. 
Der Engländer nimmt sein Fahrrad auf den Rücken und kippt, weil es so steil ist, gleich rücklings um.  
Auf den Startnummern stehen die Vornamen. Neben mir steht Kevin, ein junger Belgier. 
Er schiebt sein Fahrrad immer einen Meter, dann legt er seine Stirn auf den Lenker, ringt nach Luft,
dann schiebt er wieder einen Meter, legt die Stirn auf den Lenker und hechelt nach Luft usw.. 
Wir beide sind jetzt die letzten. Wir beschließen zusammen rauf zu kommen.
Mittlerweile habe ich aus Erschöpfung Kevin´s Schiebetechnik angenommen.   
Wir werden von 2 Trialmotorradfahrern begleitet. Die haben im Rucksack eine Notfallausrüstung.
Es sind sozusagen die Besenwagenfahrer. Über uns kreist der Lastenhubschrauber.
Die letzte Verpflegungsstation auf dem berüchtigten Pas de Lona wird schon abgebaut. Noch 50 Höhenmeter.
Der Motorradfahrer steigt ab und will uns zu Fuß schieben. Ich lehne ab. Endlich sind wir oben.
Wir liegen uns in den Armen.
Nun geht es über eine Hochebene mit dem wunderschönen See  -  Lac de Lona. Noch ein kleiner Anstieg.
Dann die letzte 15 km lange Abfahrt vor uns. Ich halte an einem Felsen an.
Schaue runter auf einen Stausee und hinauf zu einem Gletscher. Ich hab´s geschafft.
Was für Qualen, was für ein Gefühl. Mir kommen vor Freude die Tränen.  Ich lebe gerade meinen Traum.  
Nach einer Weile fahre ich bergab weiter.
Mit Freudentränen und Gänsehaut überquere ich mehrmals einen Bach - einfach runterrollen lassen.
Ich denke, dass ich als letzter ankomme. Das ist mir vollkommen egal. Ich bin durchgekommen.
2 Biker stehen noch am Wegesrand. Einer hat auf den letzten Kilometern noch einen Platten.
So werde ich am Ende 552 von 554 die ins Ziel gekommen sind. Über 150 Biker mussten vorher aufgeben.   
Im Ziel stehen meine Freunde. Erhard und Peter und begrüßen mich mit lauten Hallo. Ich bin überglücklich.  
Manche Neider sagen, dass Peter wohl wie Obelix in den Zaubertrank gefallen ist.
Ich sage, er ist ein Vollblutathlet, vor dem ich meinen Helm ziehe.
Als Rennradfahrer hat er sich in einer hervorragenden Zeit den Ritterschlag der Mountainbiker geholt. 
Herzlichen Glückwunsch!     Erhard hat es leider nicht geschafft.
Aber den Freundschaftsdienst mitzukommen rechne ich ihm höher an als jede gute Zeit. 
Er hatte vorher schon gesagt,  dass er in seiner augenblicklichen Form die Strecke wohl nicht bewältigen kann.     
Nun werden wir mit dem Bus 2,5h zurück nach Verbier gebracht.
Abends an der Bushaltestelle treffe ich den Gehörlosen. 
Er gibt mir traurig zu verstehen, dass er das das Zeitlimit um eine Minute verpasst hatte.
Zum zweiten Mal gescheitert.
Dann leuchten seine Augen und er teilt mir mit, dass er im nächsten Jahr wiederkommen wird.
Aufgeben gilt nicht. Wenn er es nächstes Jahr nicht schafft, dann eben übernächstes Jahr.  
Er ist mein Held am Samstag.
   
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