Aktuelle Hinweise  

Aktuelle Trainingsaktivitäten:

Rennrad: bei gutem Wetter dienstags und donnertags 14 Uhr am Bahnhof

samstags 13 Uhr bei "Lebus" /Reh oder nach Absprache

MTB-Ausfahrt mittwochs 18.30 und samstags 14 Uhr

Hallentraining montags 18.30 - Adler-Halle

Wichtige Termine:

Samstag, 16.12.17 Wanderung ab Adler zum Weihnachtsmarkt Letmathe

Sonntag, 31.12.17 Silvestertour zum Mesekendahl - 13 Uhr ab Adler  

Weitere Termine - siehe Hauptmenü "Termine 2017"!

 

Link zu unserem Hauptverein: ATS-Nahmer

 

 

   

Eroica Limburg 2017 – Rennrad fahren wie früher

„Eroica“ hat nichts mit erotisch zu tun, sondern bedeutet „die Heroische“ - also ist an „heroisch“ und „Hero“ zu denken. Mir begegnete der Begriff beim Lesen einer Radsport-Zeitschrift. Natürlich sind alle Radsportler, die sich mit dem Rennrad fit halten, in gewissem Sinne „Helden“ - aber was sollte das Besondere an dieser Radsport-Veranstaltung „Eroica“ sein?

Neugierig geworden erfuhr ich, dass es darum geht so Rennrad zu fahren wie vor etwa 50 Jahren – also so etwas wie Oldtimer fahren mit alten Rennrädern? Es steckt ein bisschen mehr dahinter.

Technisch bedeutet es, ein Rad zu fahren, dessen Technik mindestens 35 Jahre alt ist – also Riemen-Pedale statt Klick-Pedal, Rahmen-Schaltung statt Raster-Schaltung am Lenker, Stahl-Rahmen statt Carbon-Rahmen, eingeschränktes Übersetzungs-Verhältnis mit maximal 7 Ritzeln am Hinterrad und Bremskabel außerhalb des Lenkers. Ein Rad also, das dem technischen Standard von vor 1985 entspricht. Damals waren Rennräder so einfach aufgebaut, dass man praktisch alles selbst montieren und reparieren konnte und die Komponenten waren auf Haltbarkeit ausgelegt.

Das weitere Kriterium der Eroica-Veranstaltungen ist, dass Strecken gewählt werden, wie es in früheren Zeiten bei Radrennen - vor allem in Italien - üblich war – nicht nur fein asphaltierte Straßen, sondern auch Schotter- und Feldwege!

Gründer der Eroica-Bewegung ist der Italiener Giancarlo Brocci – hier seine Philosophie: „Heute verbreiten wir die authentischen Wurzeln eines außergewöhnlichen Sports mit einer großen Seele. Wir wollen, dass die Menschen die Schönheit der Müdigkeit und den Nervenkitzel der Eroberung wiederentdecken: das heroische Radfahren von Bartali und Coppi und das Opfer, das unsere physischen Grenzen sucht, wo Durst, Hunger und Erschöpfung mit all ihrer Kraft gefühlt werden. Es ist Radfahren, das Respekt und Bindungen zwischen treuen Gegnern schaffen kann. Es ist Radfahren auf eine gesunde Art und Weise, und seine Teilnehmer sind inspirierend und schön zu beobachten.“

Die erste Eroica-Veranstaltung gab es 1997 in Italien – heute ist es eine weltweite Leidenschaft, es gibt Veranstaltungen in England, Kalifornien, Japan u.a. - nächst gelegen in den Niederlanden in der Region Limburg, Startort Valkenburg. Für die Eroica Limburg hatte ich mich angemeldet, um selbst zu erfahren, wie es sich anfühlt.

Historisch gibt es im Mittelalter übrigens eine Verbindung zwischen der Region Limburg und Hohenlimburg – das Wappentier der Löwe ist fast identisch!

Valkenburg ist ein bekannter Radsport-Knotenpunkt – Startpunkt oder Durchgangsort des Amstel-Gold-Race – Tourismusort, wegen seiner „bergigen“ Lage – es gibt eine etwa 1 km lange Steigung zum Cauberg mit bis zu 12%. Die Eroica hier hat Event-Charakter: großer Festplatz mit Gastronomie, Bühne mit Life-Musik, Verkaufsständen für Rennrad-Material und zwar von Freitag bis Samstag-Abend. Schon am Freitag zeigen sich die „Heros“, die das älteste Material vorweisen können, z.B. Rennräder mit Holz-Felgen. Also das ganze Drumherum bringt einen schon mal in gute Stimmung, die ich am Freitag-Abend auch bei warmem trockenem Wetter genossen habe.

Dann nachts kam der Wetter-Umschwung: es goss wie aus Eimern und hörte auch am Morgen nicht auf! Bei Strecken von 60, 100 und 160 km war die Startzeit für mich (100 km) für 8 Uhr – 9 Uhr 30 deklariert. Also warten – vielleicht wird es ja noch besser, aber auch um 9 Uhr wurde es nicht besser – also Regenzeug an und los! Zum „Warmfahren“ war da gleich der Cauberg mit seiner12%igen Steigung – oben war ich warm und der Regen machte mir nichts mehr aus.

Wo es möglich war, führte die Strecke von den gut ausgebauten Straßen weg auf landwirtschaftlich genutzte Wege und auch Waldwege. Das hatte ich so nicht erwartet! Die Wege waren zum Teil geteert, aber zu einem großen Teil auch nur Schotter-Wege und durch den intensiven Regen stellenweise knöcheltief aufgeweicht – so etwas fährt man eigentlich nur mit dem Mountainbike! Konzentriertes Fahren war gefordert, wollte man nicht den Abgang machen.

Natürlich hatte man auch jede mögliche Steigung in die Strecke eingebaut, so dass im „doch so flachen Holland“ ca. 850 Höhenmeter zusammen kamen. Um Hunger und Erschöpfung vorzubeugen, gab es allerdings zwei vorzügliche Verpflegungsstellen – jeweils mit dem Ambiente eines Schlosses. Dort gab es Kuchen, heiße Suppe, Kirsch-Pfannkuchen, Kaffee aus Porzellan-Tassen(!) – einmal sogar mit Live-Musik! Die Stationen luden also zum Verweilen ein, aber bei dem Wetter war das nicht ratsam, lieber den Puls wieder hoch treiben, um nicht zu frieren.

Die landschaftlichen Reize wären bei gutem Wetter sicher noch besser zum Tragen gekommen, aber ich bin noch nie eine Radtour gefahren, die so von Landwirtschaft, Feldern und kleinen Dörfern geprägt war. Ein besonderes Highlight war die Überquerung der Maas – nicht über eine Brücke, sondern mit einer kleinen Fähre, wo ca. 20 Radfahrer Platz hatten und die Zwangspause genossen. Ein anderer besonderer Moment stellte sich ein, als die Strecke mitten durch den einzigen amerikanischer Soldatenfriedhof „Margraten“ führte. Fast alle Fahrer hielten eine Zeitlang an, um das Memorial auf sich wirken zu lassen. Ich musste an meinen Vater denken, der als 17jähriger ganz in der Nähe von Amerikanern gefangen genommen wurde und nicht mit seinem Leben bezahlen musste wie diejenigen, die dort begraben wurden.

Die letzten Kilometer wurden immer mühsamer. Schon nah am Zielort Valkenburg machte die Strecke noch einen großen Bogen über scheinbar immer schlechtere Wege, roter Schlamm bedeckte Fahrrad und Beine, die Radbrille musste wiederholt sauber geputzt werden. Dem Material und dem Fahrer wurde alles abverlangt, wie es dem Geist der Eroica entspricht.

Das Ziel befand sich direkt auf dem Festival-Gelände. Die Fahrer kamen einzeln oder in kleinen Gruppen an, wie viele andere auch wurde ich interviewt und nach meinem Rennrad befragt, Marke „Rickert“ - in diesen Kreisen ein Begriff! Ich werde es pflegen und in Ehren halten und vielleicht mal in Italien starten - dort wo schon Coppi und Bartali über die Berge gefahren sind.

Noch ein paar optische Eindrücke:

 

 

Es gab übrigens nicht nur "alte" Rennradfahrer, aber die hatten die ältesten Klamotten. Und es gab auch einige Rennradfahrerinnen!

 

   
© ALLROUNDER