Aktuelle Hinweise  

Aktuelle Trainingsaktivitäten:

Rennrad: bei gutem Wetter dienstags und donnertags 14 Uhr am Bahnhof

samstags 13 Uhr bei "Lebus" /Reh oder nach Absprache

MTB-Ausfahrt mittwochs 18.30 und samstags 14 Uhr

Hallentraining montags 18.30 - Adler-Halle

Wichtige Termine:

Samstag, 16.12.17 Wanderung ab Adler zum Weihnachtsmarkt Letmathe

Sonntag, 31.12.17 Silvestertour zum Mesekendahl - 13 Uhr ab Adler  

Weitere Termine - siehe Hauptmenü "Termine 2017"!

 

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Alpe d' Huez

Auf unserer Urlaubstour 2004 durch Frankreich fiel mir bei einem Blick in den Atlas auf, dass es von der Rhonetal-Autobahn nur einen Umweg von ca. 200km bedeutet, um L’Alpe d’Huez einen Besuch abzustatten. Von der Idee zur Tat war es nicht weit.

Übernachtungsmöglichkeiten gibt es zu Genüge. Da wir mit Wohnwagen unterwegs waren, wählten wir den Campingplatz direkt am Einstieg der Strecke (4-Sterne-Platz, nicht teuer und empfehlenswert).

Als wir ankamen, nahm ich mir vor, zunächst am Nachmittag die Strecke locker abzufahren und ein paar Fotos zu machen, um dann am nächsten Tag mal mit Volldampf zu fahren und auf die Uhr zu sehen.

Tja – mit locker fahren war schon mal nichts, dazu hätte ich eine größere Übersetzung gebraucht. Die Daten der Strecke sehen wie folgt aus: 1130 Höhenmeter auf 15 Kilometern bei bestens ausgebauter und reich dekorierter Straße – Steigung zwischen 8 und 11,5%. Nach der ersten Besichtigung mit einigen Pausen wusste ich also in etwa, was mich am nächsten Morgen erwartete.

Dass es aber so hart werden würde – ohne die Pausen vom Vortag – hatte ich nicht erwartet. Aber der Reihe nach: 21 Kehren muss ich überwinden, die alle einem ehemaligen Gewinner gewidmet sind. Zunächst schaue ich auf jedes Schild und versuche den Namen zu lesen.

Das motiviert. Man zählt rückwärts. Bei der 19. Kehre denke ich: Wenn das so steil bleibt, bist du bald kaputt. Ich fahre von Anfang an mein größtes Ritzel, 42*26. Zu wenig! Ich kann es nicht rund treten – jedenfalls nicht bei 10 %.

Die Schilder in den Kehren sind nicht mehr wichtig, wichtig ist nur noch das Ausruhen in den zum Glück flachen Kehren. Aber es sind immer nur wenige Meter und dann muss man wieder maximale Kraft aufbringen. Ständig sehe ich auf den Kilometerzähler – 5 km – ein drittel ist geschafft!

Die zum Teil recht bunt und interessant bemalte Straße nehme ich nicht mehr wahr. Auch wenn mein Name dort stehen würde – es würde mir nicht helfen. Das Treten fällt mir immer schwerer. Bei 8 km denke ich ans Aufhören, ich merke, dass ich meinen Körper überfordere. Und warum mache ich das überhaupt? Zu gewinnen gibt es nichts und eine gute Zeit werde ich auch nicht erreichen. Was kann mich noch motivieren? Ich versuche an schöne Dinge zu denken und den körperlichen Schmerz zu verdrängen. Wenn du das schaffst, kannst du bald auch wieder ohne schlechtes Gewissen Pflaumenkuchen mit Sahne essen – versuche ich mich zu überreden.

Bald sieht man die ersten Betonklötze von L’Alpe d’Huez. Dort ist das Ziel, das schaffst du jetzt auch noch und überholt hat dich noch keiner, während du an einigen vorbei gefahren bist. Also durchhalten. Zwei Fotografen tauchen auf, nehmen mich ins Visier und stecken mir eine Karte zu– spekulieren wohl darauf, dass ich von dieser Schinderei auch noch ein Foto haben will. Ich komme mir vor wie eine Schnecke im Vergleich zu den Bildern, die ich von Armstrong und Ulrich noch im Kopf habe.

Ich erreiche die ersten Häuser, aber das heißt nichts, der Ort ist groß und die Strecke führt ganz hindurch. Noch drei Kilometer. Allerdings sind diese letzen drei etwas flacher und ich wage es runterzuschalten. Erste Hochgefühle stellen sich ein: Du schaffst es! Anerkennende Blicke von Passanten, wunderbares Alpenpanorama! Im Wirrwarr der Straßen kann man sich nur an den Straßenbemalungen orientieren , sie führen sicher zum Ziel. Es geht sogar ein Stück bergab. Dann kommt ein Kreisverkehr, der auf die große Zielgerade führt.

Die Profis sind auf abgesperrter Strecke links gefahren – natürlich halte ich mich nun auch nicht an die Verkehrsregeln und fahre den kürzeren Weg. Zielsprint, ca. 400 Meter – komischerweise geht das noch.

Ich hab es geschafft! Schnell umschalten auf die Stoppuhr! 1:13:55! Wie lange brauchte noch mal Armstrong? 39 Minuten? Na immerhin, wäre er die Strecke zweimal gefahren, hätte er mich nur einmal überholt.

Kaputt, aber zufrieden – so ist das halt. Die Flasche leer trinken und den Blick auf die 3000er genießen und dann in die (be)rauschende Abfahrt.

Während der Abfahrt habe ich gezählt, wie viele Radfahrer mir entgegen kamen: Über 90! Wie ein Magnet zieht sie uns an die „Alpe“, lieben wir doch das Leiden – besonders dort, wo es auch die Großen tun.

   
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